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Infos zum Arbeitsmarkt

Die Bundesagentur für Arbeit hat ihren neuen Arbeitsmarktbericht für Akademikerinnen und Akademiker veröffentlicht. Dieser Artikel fasst die Ergebnisse des Berichts zusammen und zeigt wichtige Aspekte zum Thema Berufseinstieg für JuristInnen auf.

 

Arbeitsmarktbericht 2019 der Bundesagentur für Arbeit

Die Lage am Arbeitsmarkt für JuristInnen wird von der Bundesagentur für Arbeit insgesamt als positiv bewertet. Die Erwerbstätigkeit sei in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen. Auffällig sei, dass ein erheblicher Teil nicht mehr nur in Kanzleien und Behörden tätig ist. Vielmehr arbeite rund jede/r dritte JuristIn fachfremd und somit in Berufsfeldern außerhalb der klassischen juristischen Aufgabenstellungen, wie z.B. im Personalwesen, im Bereich der Finanzen oder auch der Lehre sowie der Forschung.

Etwa 42 Prozent der erwerbstätigen JuristInnen sind Frauen. 25 Prozent der Erwerbstätigen sind 55 oder älter. Ca. 40 Prozent der erwerbstätigen JuristInnen sind selbständig tätig.

Die Arbeitslosigkeit ist auf einem sehr geringen Niveau. Im Vergleich zu 2018 ging die Arbeitslosenrate um 6 Prozent zurück. Dennoch zeigt sich gerade bei genauerer Betrachtung der Arbeitslosen nach Altersgruppen, dass junge Menschen einen sehr hohen Anteil der arbeitslosen JuristInnen ausmachen. Etwa 50 Prozent der arbeitslosen JuristInnen sind demnach unter 35 Jahren alt. Eine steigende Zahl an Studierenden könnte laut der Bundesagentur für Arbeit zu mehr Konkurrenz in den kommenden Jahren führen.

2017 beendeten etwa 17.000 Studierende das rechtswissenschaftliches Studium, wobei der Berufseintritt sich meist durch das Referendariat um ca. zwei Jahre verschob. Im Vergleich zu 2017 steigt die Zahl der Studierenden in rechtswissenschaftlichen Studiengängen 2018 um ca. zwei Prozent auf etwa 138.000.

Die gemeldeten Stellen sind mit durchschnittlich 1.400 Stellen im Jahr auf einem hohen Niveau und zeigen eine große Nachfrage an JuristInnen. Allerdings machen diese Stellen nur einen Teil des Arbeitsmarktes aus. Die Zahl der im Jahresverlauf veröffentlichten Stellen lag bei ca. 5.400.

 

“Generation Y” / “Work-Life-Balance”

Die Generation der ab 1980 geborenen NachwuchsjuristInnen stellt viele Arbeitgeber vor neue Herausforderungen. Die sogenannte „Generation Y“ kennt ihren Wert, ist exzellent informiert und wählt Arbeitgeber sehr gezielt aus. Im Zentrum der Überlegungen liegt dabei meist eine ausgewogene Work-Life-Balance.

Heute sind Gehalt, Führungsverantwortung und Karriereaussichten (z.B. Perspektiven auf Partnerschaften in Kanzleien) nicht mehr so wichtig. Vielmehr sucht die Generation nach Sinnerfüllung, Chancengleichheit und einem guten Betriebsklima.

Diese neue Generation von BewerberInnen trifft in den Kanzleien auf eine völlig andere Generation von PartneranwältInnen, die den Forderungen nach besserer Work-Life-Balance und mehr Flexibilität oftmals überrascht gegenüberstehen. In Zukunft werden beide Generationen Zugeständnisse machen müssen, um miteinander auszukommen. Es wird interessant zu beobachten sein, wie der Arbeitsmarkt auf diesen Kulturwandel reagieren wird, da weiterhin hochqualifizierte Talente gebraucht werden.

 

Ohne geht’s nicht - Fremdsprachen und Soft Skills

Für den Berufseinstieg weiterhin unverzichtbar, sind Kompetenzen in Fremdsprachen, insbesondere Englisch. Ohne weitreichende Kenntnisse kann man in Bewerbungsverfahren nur schwer überzeugen. Zur Verbesserung dieser Kompetenzen bietet die Fakultät ein weites Spektrum an Möglichkeiten an. Unter anderem können Studierende an fremdsprachigen Vorlesungen und Moot Courts teilnehmen. Des Weiteren wurde die studienbegleitende Zusatzausbildung im Recht der Vereinigten Staaten von Amerika „Certificate United States‘ Law (CUSL)“ eingeführt.

Zusätzlich haben internationale Studien belegt, dass der berufliche Erfolg nur zu 50 Prozent auf Fachkompetenz beruht; die andere Hälfte hängt von Soft Skills / Schlüsselqualifikationen ab.

Zu Themen, wie z.B. Kommunikation, Verhandlungsführung oder Zeugenvernehmung etc. bietet das CENTRAL spezielle Seminare für JuristInnen an. Vor dem Hintergrund der aktuellen Studie, sollte der Besuch von möglichst vielen dieser Veranstaltungen angestrebt werden, um diese Fähigkeiten schon frühzeitig im Studium zu erlernen. Die Veranstaltungen des CENTRAL stehen übrigens auch ReferendarInnen und Berufstätigen offen.

Eine weitere Möglichkeit, um Erfahrungen für den Berufseinstieg zu sammeln, bieten simulierte Gerichtsverhandlungen, sogenannte „Moot Courts“. Weitere Informationen zum Thema Moot Courts finden Sie hier.

 

Auslandserfahrungen

Im Referendariat eignet sich die Wahlstation für einen Auslandsaufenthalt am besten. Wer sich für den Bereich des Europa- und Kartellrechts interessiert, bekommt in Brüssel die Möglichkeit einen Teil der Anwaltsstation oder die Wahlstation zu absolvieren. Vorkenntnisse in diesen Bereichen sind nicht erforderlich, dafür aber fließende Englischkenntnisse.

Nach aktuellen Prognosen wird der Brexit für britische Wirtschaftskanzleien noch nicht vorhersehbare, aber möglicherweise negative Folgen haben. Es ist daher ratsam, seine berufliche Laufbahn flexibel zu planen.

 

Trend zum zusätzlichen LL.M.

Der Master of Laws (LL.M.) als international anerkannter Postgraduierten-Abschluss wird bei AbsolventInnen der Rechtswissenschaften immer beliebter. Viele sehen ihn aktuell als eine ideale Möglichkeit, um ihre Karriere anzukurbeln. In vielen Kanzleien wird der LL.M. momentan sogar als alternative Zusatzqualifikation neben dem Doktortitel anerkannt. Zum einen kann durch den oftmals im internationalen Kontext erarbeiteten Master ein Nachweis über Fremdsprachenkompetenzen belegt werden und zum anderen machen die speziellen Rechtskenntnisse gegenüber anderen BerufseinsteigerInnen einen deutlichen Zusatz an Wissen aus. Im Hinblick auf die steigende Zahl an Prädikatsexamina kann es nicht schaden, wenn man sich mit einem zusätzlichen Abschluss von der Konkurrenz abhebt.

Um der hohen Nachfrage gerecht zu werden, wurden vielerorts auch Masterstudiengänge ohne internationale Bezüge entwickelt. Die Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität zu Köln bietet zahlreiche Wege zu Masterstudiengängen an. Zum einen können Interessierte die Masterstudiengänge der Fakultät absolvieren. Zum anderen bietet die Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität zu Köln auch weitere Masterstudiengänge mit Beteiligung der Fakultät sowie Masterstudiengänge an US-amerikanischen Partneruniversitäten an. Somit wird für AbsolventInnen eine hohe Vielfalt an Möglichkeiten geboten.

Zusätzlich können sich Interessierte über www.hochschulkompass.de einen ersten Überblick verschaffen.

Eine Promotion kommt neben dem LL.M. natürlich ebenfalls für viele JuristInnen in Frage. In den Großkanzleien wird heute meist eines von beiden erwartet. Für PromotionsstudentInnen der Universität zu Köln bietet die Graduiertenschule und das Promotionsbüro der Rechtswissenschaftlichen Fakultät zahlreiche Unterstützungsangebote an. 

 

Gehälterentwicklung

Dem Arbeitsmarktbericht für AkademikerInnen 2019 der Bundesagentur für Arbeit zeigt, dass sozialversicherungspflichtige Beschäftigte im Bereich der Rechtswissenschaften überdurchschnittlich hohe Gehälter verdienen. So lag das mittlere Monats-Bruttoentgelt von sozialversicherungspflichtigen (Vollzeit-) Beschäftigten im Westen bei rund 5.719 Euro und im Osten bei rund 4.941 Euro. (vgl. Statistik der BA, Blickpunkt Arbeitsmarkt - Akademikerinnen und Akademiker, Nürnberg, April 2019)

Im Schnitt liegen die Einstiegsgehälter der Top-Kanzleien aktuell bei etwa 95.000 Euro. Es muss jedoch beachten werden, dass solche hohen Summen nur an KandidatInnen gezahlt werden, die auch überragende Qualifikationen mitbringen. Zudem können beträchtliche Unterschiede zwischen den Gehältern einer Kanzlei aus der Marktspitze und z.B. einer kleineren Boutique bestehen (je nach Qualifikation bewegen sich die Gehälter dort meist in einem Rahmen zwischen 40.000 und 60.000 Euro).

Bei Unternehmen, Behörden und Beratungsgesellschaften liegen die Einstiegsgehälter üblicherweise in einem deutlich niedrigeren Bereich. Jedoch ist zu beobachten, dass die Gehälter der Inhouse-JuristInnen in den vergangenen Jahren durchschnittlich stärker gestiegen sind als bei Kanzleien. Syndizi ohne Führungsverantwortung konnten damit, laut einer Umfrage des Magazins JUVE Rechtsmarkt, im Schnitt etwa 75.000 Euro verdienen.

Die Bewerberzahlen für den Richterberuf sind insgesamt zurückgegangen. Besonders Flächenländer wie Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein sind stark von dem Rückgang betroffen. In Nordrhein-Westfalen ist der Nachwuchsmangel im OLG-Bezirk Hamm am deutlichsten zu spüren.
Wirtschaftskanzleien sind häufig ein deutlich attraktiverer Arbeitgeber für junge AbsolventInnen. Laut einer azur-Umfrage unter wirtschaftlich orientierten JuristInnen mit Prädikatsexamen können sich 70 Prozent eine Wirtschaftskanzlei als Wunscharbeitgeber vorstellen (vgl. azur Ausgabe 02/16, S. 107).

 

Lisa Marie Stenhorst & Benjamin Schöppenthau