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"Cyberpunk und das aktuelle Strafrecht"

Zweite Veranstaltung der Ringvorlesung "Recht literarisch"

Mit der Ringvorlesung "Recht literarisch" eröffnet der Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht und Kriminalpolitik im Sommersemester 2026 einen innovativen Zugang zu Recht und Literatur. Die von Prof. Dr. Anja Schiemann initiierte Veranstaltungsreihe macht die aus dem anglo-amerikanischen Raum stammende Querschnittsdisziplin Law and Literature für Studierende und Interessierte erlebbar.

Die zweite Veranstaltung der Ringvorlesung am 13. Mai 2026 widmete sich einem Genre, das auf den ersten Blick fern juristischer Fragestellungen erscheinen mag – und sich bei näherem Hinsehen als hochaktuell erweist: Unter dem Titel „Cyberpunk und das aktuelle Strafrecht“ zeigte Prof. Dr. Susanne Beck eindrucksvoll, welches kritische Potenzial literarische Zukunftsentwürfe für die Reflexion gegenwärtiger Rechtsentwicklungen bereithalten. Die Ringvorlesung macht die interdisziplinäre Perspektive von Law and Literature für Studierende und Interessierte erlebbar und fragt danach, wie Literatur dazu beitragen kann, Recht neu zu denken.

Ausgangspunkt des Vortrags war die Beobachtung, dass Cyberpunk-Welten keine bloße Zukunftsphantasie darstellen, sondern gesellschaftliche Entwicklungen zuspitzen: Machtkonzentrationen globaler Konzerne, umfassende Überwachung, algorithmische Steuerung und technologische Eingriffe in individuelle Freiheitsräume erscheinen im Genre nicht als ferne Spekulation, sondern als Warnung vor möglichen Konsequenzen gegenwärtiger Entwicklungen. Gerade aus strafrechtlicher Perspektive stelle sich die Frage, wie sich Verantwortung, Kontrolle und Freiheit unter Bedingungen technologischer Transformation verändern.

Prof. Dr. Beck verdeutlichte, dass Literatur – und insbesondere dystopische Erzählformen wie der Cyberpunk – nicht nur Risiken sichtbar machen, sondern zugleich neue Perspektiven aufwerfen können. Wenn Recht gesellschaftliche Entwicklungen begleiten und gestalten wolle, bedürfe es stärkerer interdisziplinärer Zugänge, die über rein dogmatische Betrachtungen hinausreichen. Literatur eröffne dabei Räume, alternative gesellschaftliche Ordnungen zu imaginieren und andere Geschichten über Zusammenleben, Verantwortung und Gerechtigkeit zu erzählen.

Besonders eindrücklich war dabei der Gedanke, dass rechtliche Debatten nicht allein von Krisenszenarien geprägt sein sollten. Gerade angesichts technologischer Umbrüche brauche es Narrative, die nicht nur warnen, sondern auch Hoffnung stiften: Geschichten, die zeigen, wie Technik menschenwürdig gestaltet und Macht begrenzt werden kann. Der Vortrag machte damit deutlich, dass Literatur für das Recht nicht bloß Illustrationsmaterial ist, sondern ein Reflexionsraum, in dem Zukunftsfragen verhandelt und neue Denkwege eröffnet werden können.

Bericht: Büşra Akay
 

Zeit und Ort der nächsten Veranstaltungen:
jeweils mittwochs um 18 Uhr | Hauptgebäude der Universität zu Köln (Geb. 100), Hörsaal II, Albertus-Magnus-Platz, 50923 Köln.

  • 03. Juni 2026
    Prof. Dr. Elisa Hoven: Dunkle Momente und feine Risse | Lesung und Gespräch
     
  • 08. Juli 2026
    Kathrin Röggla: Prozess ohne Schlussstrich? Das NSU-Verfahren. | Lesung und Gespräch

Nähere Informationen finden Sie unter https://schiemann.jura.uni-koeln.de/lehrstuhl/neuigkeiten-meldungen/einzelansicht/ringvorlesung-recht-literarisch.