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Spannende Lesung und Gespräch in der Reihe "Recht literarisch"

„Dunkle Momente und Feine Risse“ - Prof. Dr. Elisa Hoven schuf mit ihrer Lesung und dem anschließenden Gespräch unter lebhafter Beteiligung des Publikums eine Verbindung von Fiktion und realem Recht.

Mit der Ringvorlesung "Recht literarisch" eröffnet der Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht und Kriminalpolitik im Sommersemester 2026 einen innovativen Zugang zu Recht und Literatur. Die von Prof. Dr. Anja Schiemann initiierte Veranstaltungsreihe macht die aus dem anglo-amerikanischen Raum stammende Querschnittsdisziplin Law and Literature für Studierende und Interessierte erlebbar.

Die dritte Veranstaltung der Ringvorlesung „Recht literarisch“ am 3. Juni 2026 stand ganz im Zeichen der Verbindung von Literatur, Strafrecht und Kriminalpolitik. Prof. Dr. Elisa Hoven (Universität Leipzig) las aus ihrem jüngst erschienenen Roman Feine Risse und diskutierte im Anschluss mit Prof. Dr. Anja Schiemann über die rechtlichen und gesellschaftlichen Fragen, die den Erzählungen zugrunde liegen.

Im Mittelpunkt der Lesung standen Menschen in außergewöhnlichen Lebenssituationen, deren Entscheidungen die Grenzen zwischen Recht und Gerechtigkeit, Schuld und Verantwortung verschwimmen lassen. Die von Hoven geschaffene Hauptfigur der Strafverteidigerin Eva Herbergen eröffnete dabei einen besonderen Blick auf die strafrechtliche Praxis: Nicht die Tat allein, sondern auch die Lebensgeschichte der Angeklagten rücke in den Fokus. Die Autorin schilderte, dass gerade dieser Zugang sie sowohl in ihrer wissenschaftlichen Arbeit als auch beim literarischen Schreiben fasziniere. Literatur ermögliche es, sich in unterschiedliche Figuren und Lebenswelten hineinzuversetzen und dadurch neue Perspektiven auf bekannte strafrechtliche Fragestellungen zu gewinnen.

Im anschließenden Gespräch wurden zahlreiche kriminalpolitische Themen aufgegriffen, die auch im Roman eine zentrale Rolle spielen. Diskutiert wurden unter anderem die Täterzentrierung des Strafrechts, der Resozialisierungsgedanke sowie die Frage, wie Strafverteidigerinnen und Strafverteidiger mit dem Spannungsverhältnis zwischen professioneller Aufgabe und persönlicher Moral umgehen. Ebenso standen öffentliche Erwartungen an das Strafrecht, die Gefahr von Selbstjustiz und der Einfluss medialer Berichterstattung auf die Wahrnehmung von Straftaten im Mittelpunkt der Diskussion.

Besonderes Interesse weckte zudem Hovens Kritik am geltenden Mordtatbestand. Anhand konkreter Beispiele wurde erörtert, ob die gesetzlichen Vorgaben den Gerichten stets ausreichend Spielraum für eine angemessene Bewertung der individuellen Umstände eines Falles eröffnen.

Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, wie literarische Erzählungen dazu beitragen können, rechtliche und kriminalpolitische Fragestellungen aus neuen Blickwinkeln zu betrachten.

Bericht: Büşra Akay